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KI & Automatisierung7 Min. Lesezeit

Claude im Amazon-Business: 7 Workflows, die ich täglich nutze

Wie ich Claude konkret in meinem Amazon-Arbitrage-Business einsetze: 7 echte Workflows von Lieferanten-Mails bis Datenanalyse – inklusive dem, was Claude nicht kann.

·Manuel Burow

Ich arbeite seit über 10 Jahren in der IT, seit 2023 mache ich Amazon-Arbitrage – inzwischen in Vollzeit, EU-weit auf allen Marktplätzen, 2025 mit rund €1,5 Mio. Umsatz. KI-Tools gehören bei mir zum Werkzeugkasten wie Keepa oder Sellerboard. Und das Werkzeug, das ich davon am häufigsten in der Hand habe, ist Claude.

Das hier ist kein Hype-Artikel. Claude ist nicht magisch, es ersetzt kein Urteilsvermögen, und es macht aus einem schlechten Deal keinen guten. Aber es erledigt sieben konkrete Jobs in meinem Alltag zuverlässig – manche täglich, manche einmal pro Woche. Genau diese sieben Workflows zeige ich dir hier, inklusive der Stellen, an denen Claude mich regelmäßig im Stich lässt.

#WorkflowWorum es geht
1Export-AnalyseSellerboard- und Excel-Daten befragen
2Lieferanten-KommunikationErstkontakt und Nachfassen, mehrsprachig
3Deal-ZweitmeinungRisiken strukturiert auflisten lassen
4Amazon-CasesErstattungsfälle sauber formulieren
5Kleine ToolsScripte und Konverter per Vibe Coding
6SOPsProzesse als Checklisten festhalten
7WochenreviewStichpunkte zu Klartext verdichten

Workflow 1: Sellerboard- und Excel-Exporte analysieren

Sellerboard zeigt mir, was ich verdiene. Die interessanten Fragen stecken aber oft eine Ebene tiefer – und dafür müsste ich sonst Pivot-Tabellen bauen. Stattdessen lade ich den Export bei Claude hoch und frage direkt.

Typische Fragen: Welche ASINs fressen nach allen Gebühren Marge? Wo häufen sich Retouren auffällig? Welche Produkte sehen beim Umsatz gut aus, tragen aber kaum etwas zum Gewinn bei?

Ein Beispiel-Prompt:

Hier ist mein Sellerboard-Export der letzten 90 Tage. Liste die zehn ASINs mit der schlechtesten Marge nach allen Gebühren. Markiere Produkte, deren Retourenquote deutlich über dem Schnitt des Accounts liegt, und nenne mir zu jedem Punkt die Werte aus der Datei, auf die du dich stützt.

Der letzte Halbsatz ist bewusst drin: Claude soll zeigen, worauf es sich beruft. Trotzdem prüfe ich die Ergebnisse stichprobenartig gegen die Originaldaten. Rechenfehler sind selten, kommen aber vor – vor allem, wenn Spaltennamen mehrdeutig sind. Zwei, drei Werte gegenchecken kostet eine Minute und hat mich schon vor falschen Schlüssen bewahrt.

Workflow 2: Lieferanten- und Großhändler-Kommunikation

Ich kaufe EU-weit ein und schreibe Lieferanten auf Deutsch, Englisch und Französisch an. Mein Englisch ist solide, mein Französisch reicht für die Speisekarte – nicht für Konditionsverhandlungen.

Claude bekommt dafür einen festen Kontextblock mit meinen Eckdaten: wer ich bin, was und in welchen Größenordnungen ich einkaufe, wie ich zahle, was ich vom Gegenüber brauche. Daraus entstehen Erstanfragen und Nachfassmails in sachlichem Ton – ohne die aufgeblasenen Floskeln, die solche Mails schnell unseriös wirken lassen. Den Kontextblock habe ich einmal geschrieben und füge ihn seitdem jedem Prompt bei – das erspart mir das ständige Neuerklären.

Schreibe eine kurze Erstanfrage auf Französisch an einen Großhändler für Drogerieartikel. Kontext: [meine Eckdaten]. Sachlich, keine Werbefloskeln. Konkrete Fragen: Preisliste, Mindestbestellmenge, Lieferzeit nach Deutschland.

Eine Grenze bleibt: Sobald es Richtung Vertrag geht – Zahlungsziele, Rückgaberegelungen – verlasse ich mich nicht auf die Formulierung eines Sprachmodells. Da lese ich mehrfach gegen und hole im Zweifel eine fachliche Meinung ein.

Workflow 3: Zweitmeinung bei Deals

Vor größeren Einkäufen beschreibe ich Claude den Keepa-Verlauf in Worten: Preisentwicklung, Anzahl der Seller, Buybox-Verhalten, Saisonmuster. Dazu Einkaufspreis und kalkulierte Marge. Dann kommt die entscheidende Anweisung – Claude soll nicht zustimmen, sondern dagegenhalten.

Hier sind die Eckdaten eines Deals: [Beschreibung des Keepa-Verlaufs, Einkaufspreis, kalkulierte Marge]. Übernimm die Rolle des Kritikers: Liste alle Risiken auf, die gegen diesen Einkauf sprechen, sortiert nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe. Keine Beschwichtigungen, kein Fazit.

Das funktioniert, weil Claude stur und systematisch durchgeht, was ich in Kauflaune gern ausblende: Preisverfall durch nachrückende Seller, Saisonende, mögliche Markenbeschwerden, Kapitalbindung bei langsamer Drehung. Die Entscheidung treffe am Ende ich – nicht das Modell. Wer die Kaufentscheidung an eine KI delegiert, hat das Werkzeug missverstanden.

Workflow 4: Amazon-Cases formulieren

Verlorene Ware im Lager, beschädigte Einheiten, falsch verbuchte Anlieferungen – wer FBA macht, kennt diese Fälle. Erstattungs-Cases beim Seller Support sind vor allem Fleißarbeit: vollständig, sachlich, mit allen Referenznummern. Fehlt etwas, drehst du Extrarunden.

Ich gebe Claude die Fakten als Stichpunkte – Shipment-ID, betroffene Mengen, Zeitraum, bisherige Antworten von Amazon – und lasse daraus einen strukturierten Case-Text schreiben, meist auf Englisch. Emotion raus, Fakten rein, klare Bitte ans Ende. Wichtig dabei: Ich behaupte nichts, was ich nicht belegen kann – Claude formuliert, die Nachweise liefere ich selbst.

Meine Erfahrung: Sauber formulierte Cases gehen häufiger im ersten Anlauf durch. Eine Erfolgsquote kann ich dir nicht nennen, ich führe darüber keine Statistik. Aber der Unterschied bei Bearbeitungszeit und Rückfragen ist spürbar – und die gesparten Nerven sind es auch.

Workflow 5: Kleine Tools und Scripte per Vibe Coding

Als System-Engineer bin ich im Code zu Hause, aber JavaScript und Browser-Scripte waren nie mein Revier. Trotzdem entstehen bei mir laufend kleine Helfer: Tampermonkey-Scripte, die Shopseiten um Zusatzinfos ergänzen, CSV-Konverter für Lieferantenlisten, Discord-Bots für Deal-Alerts. Fast alles davon per Vibe Coding – was das ist, habe ich hier ausführlich beschrieben.

Ein Beispiel: ein Tampermonkey-Script, das auf Händlerseiten die EAN aus dem Quelltext zieht und per Klick in die Zwischenablage legt. In drei Sätzen beschrieben, von Claude geschrieben, nach zwei Korrekturrunden im Einsatz. Solche Mini-Tools sparen keine Stunden am Stück, aber viele kleine Handgriffe am Tag.

Aus demselben Ansatz sind auch größere Projekte entstanden: meine Deal-Sourcing-Plattform InspireForge.io mit über 300 aktiven Nutzern und mein kostenloses Beschaffungskosten-Tool, das inzwischen mehr als 500 Seller nutzen. Der Unterschied liegt im Umfang, nicht in der Methode.

Workflow 6: SOPs und Doku schreiben

Prozessdokumentation ist die Aufgabe, die jeder verschiebt. Mein Umweg: Ich erkläre den Prozess einmal formlos – so, wie ich ihn jemandem am Telefon erklären würde. Wareneingang prüfen, FBA-Anlieferung anlegen, Repricer-Regeln in BQool setzen.

Hier ist meine formlose Erklärung, wie ich eine FBA-Anlieferung anlege. Mach daraus eine nummerierte SOP mit Voraussetzungen, Einzelschritten und einem Abschnitt zu typischen Fehlern. Stelle mir vorher Rückfragen, wenn ein Schritt unklar oder lückenhaft ist.

Claude macht daraus eine Checkliste, die ich beim nächsten Durchlauf korrigiere, wo es hakt. Gerade die Rückfragen sind wertvoll: Sie decken Schritte auf, die ich beim Erklären übersprungen habe, weil sie mir selbstverständlich vorkommen.

Der Nutzen ist doppelt: Falls ich irgendwann Aufgaben abgebe, liegen die Anleitungen fertig da. Und bis dahin sind sie mein eigenes Nachschlagewerk für Abläufe, die ich nur alle paar Monate anfasse.

Workflow 7: Wochenreview

Freitags kippe ich meine Notizen der Woche in Claude: was eingekauft wurde, was schiefging, welche Lieferanten geantwortet haben, welche Baustellen offen sind. Unsortiert, in Stichpunkten, teils halbe Sätze.

Hier sind meine Notizen dieser Woche. Fasse sie in drei Blöcke: Erledigt, Offen, Auffälligkeiten. Formuliere danach die fünf wichtigsten offenen Fragen, die ich kommende Woche klären sollte.

Zurück kommt eine strukturierte Zusammenfassung plus Fragen – oft genau die unbequemen, die ich sonst vor mir herschiebe. Der Effekt ist unspektakulär, aber er summiert sich: Ich starte montags mit klarem Kopf statt mit einem diffusen Zettelstapel.

Wo Claude mich im Stich lässt

Damit das kein Werbetext wird: Diese Grenzen erlebe ich regelmäßig, Stand Juli 2026.

  • Keine Echtzeit- und Marktdaten. Claude weiß nicht, was die Buybox gerade kostet, wie der aktuelle Keepa-Chart aussieht oder ob ein Wettbewerber heute Morgen den Preis gesenkt hat. Dafür bleiben Keepa und SellerAmp zuständig.
  • Halluzinationen bei fehlenden Daten. Frage ich nach Zahlen, die ich nicht mitgeliefert habe, bekomme ich im Zweifel plausibel klingende Erfindungen. Deshalb gilt bei mir: keine Analyse ohne Originaldaten – und selbst dann Stichproben.
  • Kein Wissen über meine Situation. Claude kennt mein Kapital nicht, meinen Cashflow nicht, mein Lager nicht, meine Schmerzgrenze nicht. Aussagen wie „das Risiko erscheint vertretbar" sind ohne diesen Kontext wertlos.

Dazu kommt ein weicher Punkt: Claude ist von Haus aus zustimmungsfreudig. Wer eine Bestätigung sucht, bekommt sie auch. Genau deshalb zwinge ich es in Workflow 3 ausdrücklich in die Kritikerrolle.

Fazit

Claude ist für mich ein Werkzeug – schnell, geduldig, sprachlich präzise, aber ohne eigenes Urteilsvermögen und ohne Verantwortung. Die sieben Workflows sparen mir jede Woche spürbar Zeit, ersetzen aber keine einzige unternehmerische Entscheidung. Wer das Werkzeug so einordnet, holt viel heraus; wer ihm blind vertraut, zahlt Lehrgeld.

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Manuel Burow

IT-Engineer, SaaS-Gründer und Amazon FBA Unternehmer mit Fokus auf KI-Integration im E-Commerce.

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